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Wildbienen

Wildbienen

Wildbienen

Eine Vielzahl von Kulturpflanzen in der Landwirtschaft sind abhängig von Insektenbestäubung, vor allem durch Wildbienen.  Veränderungen in der Landnutzung und den Bewirtschaftungsformen in den letzten Jahrzehnten haben jedoch zu einem starken Rückgang von Wildbienen geführt. Zahlreiche Wildbienenarten zeichnen sich durch eine enge ökologische Nische hinsichtlich ihrer Brutstätten und Nahrungsressourcen aus und reagieren somit empfindlich auf Veränderungen in ihren Lebensräumen. Wildbienen gelten deshalb auch als wichtige Struktur- und Maßnahmenzeiger in Agrarlandschaften.

In Deutschland gibt es derzeit noch kein bundesweit einheitliches Wildbienen-Monitoring, sodass Wildbienenfunde in den Bundesländern bisher unterschiedlich erfasst werden. Um allerdings eine repräsentative Datengrundlage zum Zustand und zur Entwicklung von Wildbienen(-populationen) zu schaffen, bedarf es standardisierter Erfassungsmethoden, innovativer Indikatorsysteme und Auswertungsroutinen.

Die drei Teilprojekte ‚Entwicklung standardisierter, bestandsschonender Erfassungsmethoden für hohlraumnistende Wildbienen‘, ‚Entwicklung molekularbiologischer Methoden und Auswertungsroutinen für eDNA aus Nisthilfen ‘ und ‚Konzipierung und Entwicklung eines bundesweiten Hummelmonitorings‘ fokussieren auf die Entwicklung bestandsschonender, standardisierter Erfassungsmethoden für hohlraumnistende Wildbienen und Hummeln in der Agrarlandschaft. Um Wirkungen von Agrarumweltmaßnahmen wie z.B. Blühstreifen, aber auch landwirtschaftlicher Produktionssysteme und Bewirtschaftungsformen auf die Entwicklung von Wildbienenpopulationen und -gemeinschaften und ihre Vitalität abzuschätzen, werden populationsgenetische und pollenanalytische Ansätze entwickelt.

Entwicklung standardisierter Nisthilfe für hohlraumnistende Wildbienen

Wildbienen lassen sich auf unterschiedlichste Weise im Gelände erfassen. Zu den gängigen Methoden gehören Transektbegehungen oder das Aufstellen von Farbschalen. Im Vergleich zu diesen Methoden ermöglichen Nisthilfen über die Erfassung des Artenspektrums hinaus, trophische Interaktionen zwischen Wildbienen, Wespen und Parasitoiden zu quantifizieren. Über eingetragenes Nisthilfematerial können zudem Rückschlüsse über Nahrungsressourcen geschlossen und Auswirkungen von Pestizidrückständen auf die Vitalität von Wildbienen abgeschätzt werden.

Daher sind Nisthilfen für die Erfassung von hypergäischen, d.h. oberirdisch nistenden Wildbienen im Rahmen eines Agrarlandschafts-Monitorings prädestiniert. Allerdings bedarf es hierfür noch eine Standardisierung des anzubietenden Nistmaterials, um eine einheitliche Erfassung zu gewährleisten.

Die zu entwickelnde Nisthilfe soll auf lange Sicht als eine Erfassungsmethode für ein Wildbienen-Monitoring in Agrarlandschaften dienen. Es ergeben sich folgende grundlegende Anforderungen, die bei der Entwicklung der Nisthilfe bedacht werden sollen: Standardisierung des Nistmaterials, bestandsschonende Erfassung sowie minimaler Betreuungsaufwand.

Es soll der Prototyp einer Nisthilfe erstellt werden, welcher bestehende Nisthilfe- Elemente kombiniert und so weiterentwickelt, dass er optimale Nistbedingungen für ein möglichst großes Spektrum an Wildbienenarten der offenen Agrarlandschaft bietet. Darüber hinaus soll der Prototyp um ein Erfassungsmodul ergänzt werden, welches automatisiert Wildbienen und ihre tages- und jahreszeitlichen Aktivitäten erfasst. Dabei ist zu prüfen, ob bzw. inwieweit basierend auf einer automatisierten Erfassung es möglich ist, das Artenspektrum und die Abundanzen zu bestimmen.

„Wirksam für die Bienen“ in der Ausgabe 29. Woche 2020 der Bauernzeitung

„Hohlräume für die wilden Bestäuber“ in der Ausgabe 30. Woche 2020 der Bauernzeitung

Entwicklung eines Hummelmonitorings und eines Wirkungsindikators für Agrarumweltmaßnahmen

Die zu den Wildbienen zählenden Hummeln eignen sich aufgrund ihres Vorkommens in Agrarlandschaften und ihrer Sensitivität gegenüber sich verändernden Umweltbedingungen als Indikatoren. Seit den 1950er Jahren verzeichnen Hummelarten weltweit starke Bestandsrückgänge. Als Hauptursachen gelten Veränderungen in landwirtschaftlichen Produktionssystemen und Bewirtschaftungsformen sowie struktureller Ausgestaltung von Agrarlandschaften. Um diese Veränderungen in Bezug zur Entwicklung von Hummelpopulationen setzen zu können, soll ein bundesweit einheitliches Monitoring zur Erfassung von Hummeln in Agrarlandschaften und ihres Nahrungsspektrums (Pollenanalytik) entwickelt werden. Das Monitoring soll belastbare Informationen zum Bestand von Hummeln in Agrarlandschaften liefern und gleichzeitig Ursachen für ihren Rückgang untersuchen.

Das Anlegen mehrjähriger Blühstreifen und -flächen wird vielerorts als eine Agrarumweltmaßnahme zur Erhaltung und Förderung von blütenbesuchenden Insekten in Agrarlandschaften. Basierend auf langjährigen (mehrjährigen) Blühstreifenprojekten soll die Wirksamkeit von mehrjährigen Blühstreifen und -flächen auf Hummelpopulationen mittels eines populationsgenetischen Ansatzes getestet und geprüft werden, inwieweit sich populationsgenetische und landschaftsgenetische Parameter als Grundlage für einen Wirkungsindikator eignen.

Entwicklung molekularbiologischer Methoden und Auswertungsroutinen für eDNA aus Nisthilfen

Die Verwendung von Nisthilfen als standardisierte Erfassungsmethode für oberirdisch nistende Wildbienen ermöglicht neben der Erfassung des Artenspektrums hinaus, trophische Interaktionen zwischen Wildbienen, Wespen und Parasitoiden zu erfassen und zu quantifizieren. Über eingetragenes Nistmaterial können zudem Rückschlüsse auf genutzte Nahrungsressourcen gezogen (Pollenanalytik) und in Bezug zur Verfügung stehender Ressourcen der umgebenden Agrarlandschaft gesetzt werden. Darüber hinaus kann das Nistmaterial auch Aufschluss über Krankheitserreger und Pestizidrückstände geben. Der Schwerpunkt des Projektes liegt auf der Entwicklung und Etablierung molekularbiologischer Methoden und Routinen, um standardisierte Nisthilfen als wertvolle Informationsquelle in Monitoringprogrammen nutzen zu können. Basierend auf eDNA, die vor allem aus Kotballen der geschlüpften Organismen und aus übrig gebliebenem Nistmaterial gewonnen werden kann, sollen Artengemeinschaften und Nahrungsressourcen erfasst werden. Die Eigenschaften von Wildbienenweibchen, in den Niströhren Brutzellen anzulegen, soll genutzt werden, um einen methodischen Ansatz zur Abundanzbestimmung zu entwickeln. Des Weiteren werden Ansätze für populationsgenetische Analysen anhand von eDNA entwickelt.

Ansprechpartnerin

Petra Dieker
Thünen-Institut für Biodiversität
petra.dieker@thuenen.de

Digitale Plattform zum Wild- und Honigbienen-Monitoring

Informationen zur digitalen Plattform zum Wild- und Honigbienenmonitoring finden Sie bei der Beschreibung Trendmonitoring „Honigbienen“.

Ansprechpartner

Henri Greil
Julius Kühn-Institut für Bienenschutz
henri.greil@julius-kuehn.de